„Schulfrieden statt Bildungschaos“ – Dr. Timm Kern zu Gast beim Quartal Liberal

Mehr Verlässlichkeit im Bildungssystem ist von allen Beteiligten gewünscht – so der Tenor der Veranstaltung „Quartal Liberal“ des FDP Ortsverbandes Herrenberg/Gäu im Landgasthof Adler in Herrenberg. Als Referent war der bildungspolitische Sprecher der FDP/DVP-Landtagsfraktion Dr. Timm Kern zu Gast.

11181957_946108802095723_4483308645976886362_nDiskussionsgrundlage war ein Impulspapier der FDP/DVP-Landtagsfraktion, das im vergangenen Oktober eingebracht wurde. Unter dem Titel „Für mehr Freiheit und Eigenverantwortung in unserem Bildungswesen – Ein liberales Schulkonzept als Diskussionsgrundlage für einen stabilen Schulfrieden in Baden-Württemberg“ legte die Fraktion ein Konzept für einen parteiübergreifenden Schulfrieden vor, um mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit ins Bildungssystem von Baden-Württemberg zu bringen. Die Liberalen setzen sich dafür ein, die Verantwortung vor Ort zu verankern, da die am Bildungswesen Beteiligten am besten entscheiden könnten, welcher Schulstandort erhalten bleiben solle oder welches pädagogische Konzept für die Schülerinnen und Schüler am besten sei. Dazu gehören auch die gleichen finanziellen Ressourcen für alle Schulen, um einen fairen Bildungswettbewerb zu gewährleisten. Es gab bereits ein erstes Gespräch zum Schulfrieden zwischen der FDP, der SPD und Vertretern der Grünen. Auf eine Einladung zu weiteren Gesprächen warten die Freien Demokraten bisher noch vergeblich.

In seinen Erläuterungen führte der ehemalige Gymnasiallehrer Dr. Timm Kern verschiedene Punkte aus, die in der derzeitigen Diskussion wichtige Aspekte darstellen:

Einen weiteren Ausbau von Gemeinschaftsschulen ohne eine Evaluation hält Dr. Timm Kern nicht für sinnvoll. „Ich würde den bestehenden Gemeinschaftsschulen gerne mehr pädagogische Freiheiten einräumen und auch differenzierte Kurse zulassen“, so der stv. Fraktionsvorsitzende Dr. Timm Kern, „eine Rückabwicklung halte ich für nicht sinnvoll, aber Gemeinschaftsschulen sollten nicht weiter wie bisher finanziell privilegiert werden. Wir sind für einen fairen Wettbewerb zwischen den Schulen und möchten es auch den anderen Schulen ermöglichen, sich zu beweisen.“

Für eine Kommune ist ein Schulstandort ein sehr wichtiger ordnungspolitischer Punkt, der auch für die Identifikation der Kommune und bei möglichen Zuzügen eine wichtige Rolle spielt. Die Freien Demokraten schlagen vor, flächendeckend sogenannte Bildungsregionen einzurichten, in denen alle Beteiligte gemeinsam sich einer regionalen Schulentwicklung stellen und über Standorte und Schultypen entscheiden. Die Kannibalisierung zwischen Kommunen in einem Kreis hätte somit ein Ende. Viele Bürgermeister entscheiden sich nur aus finanziellen Anreizen und zur Erhaltung des Schulstandortes für eine Gemeinschaftsschule, berichtet Dr. Timm Kern aus den vielen Gesprächen vor Ort.

11019463_946108455429091_6745472450271695636_nDie Situation hat sich vielerorts durch die überhastete Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung weiter verschärft und die Zahlen der Sitzenbleiber sind massiv angestiegen. „Was bedeutet es für einen jungen Menschen, wenn er gleich auf der weiterführenden Schule demotiviert wird und nur schlechte Noten zurückbekommt“, fragte der Pädagoge Dr. Timm Kern. Ein Anstieg der Sitzenbleiberzahlen an manchen Schulen von 300 Prozent an den Gymnasien und bis zu 500 Prozent an den Realschulen ist für Dr. Timm Kern eine sehr erschreckende Entwicklung. Auch die Zuhörer und Zuhörerinnen zeigten sich sichtlich geschockt.  „Wir fordern, dass die Beratungs- und Förderangebote weiter ausgeweitet werden und sich die weiterführende Schulen die Grundschulempfehlung zeigen lassen dürfen“, erklärt Dr. Timm Kern, „falls dies jedoch die Sitzenbleiberzahlen nicht wieder deutlich und nachhaltig  senkt, scheuen wir uns auch nicht, die Grundschulempfehlung zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzuführen.“ Zugleich will die FDP aber die Letztentscheidung über die Aufnahme eines Schülers oder einer Schülerin in die Verantwortung der jeweiligen weiterführenden Schule geben.

Die größtmögliche Wahlfreiheit bei der Ganztagesschule ist für Dr. Timm Kern ebenfalls ein zentrales Thema. Eltern sollen die Möglichkeit haben auf Wunsch ihre Kinder nachmittags zu Hause zu betreuen oder sie selbst zum Musik- oder Sportunterricht zu bringen. Eine verpflichtende Form der Ganztagesbetreuung ist für die Freien Demokraten eine Einschränkung, die sie nicht hinnehmen wollen. Deshalb hat die FDP/DVP-Landtagsfraktion zu diesem Thema auch einen eigenen Gesetzesentwurf eingebracht.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden noch viele weitere wichtige Themen angesprochen, die die Menschen derzeit bewegen. Alle Teilnehmer waren sich einige, dass ein differenziertes Bildungssystem am besten auf die einzelnen Bedürfnisse und Talente der Schülerinnen und Schüler Baden-Württembergs eingehen kann. Eine Schule für alle Kinder und die Abschaffung von Hürden wie Noten und Sitzenbleiben, lehnen die Freien Demokraten ab, denn in den Schulen sollen die Kinder auf uíhr weiteres Leben vorbereitet werden. „Wir Freien Demokraten werden die Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs am Wahltag darüber abstimmen lassen, ob sie unser Modell für mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit im Schulwesen haben wollen oder weiterhin je nach Regierungsbeteiligung dramatische Umschwünge im Bildungssystem“, so der Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern abschließend.

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