Ehemalige Stadträtin Steude und ihr Ehemann für 40 Jahre Mitgliedschaft in der FDP geehrt

Freie Demokraten würdigen das politische und gesellschaftliche Engagement der ehemaligen Stadträtin Brigitte Steude und ihres Ehemanns, Günter Steude

<Böblingen> Zu einem besonderen Anlass hatten die Freien Demokraten in den Brumme Saal des Böblinger Rathauses eingeladen. Für das Ehepaar Steude jährt sich ihr Eintritt in die FDP 2017 zum vierzigsten Mal. Dafür erhielten die beiden aus den Händen der Stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann und des FDP-Kreisvorsitzenden Hans Dieter Scheerer die Theodor-Heuss-Medaille in Silber. Strack-Zimmermann überbrachte die Glückwünsche des Bundesvorsitzenden Christian Lindner und des Landesvorsitzenden der FDP Baden-Württemberg, Michael Theurer.

Die Laudatio für das Ehepaar Steude hielt der Stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende und Sindelfinger Stadtrat Andreas Knapp. In seiner Rede erinnerte Knapp an die Tatsache, dass sie sich mit diesem Jubiläum einem sehr kleinen Kreis von nur ca 3% der Mitglieder zugesellen. Der Sindelfinger Stadtrat konnte nicht umhin zu unterstreichen, dass die Beiden damals in den Sindelfinger Ortsverband eintraten ehe sie ein Jahr später nach Böblingen umgezogen sind.

1977, das Jahr des Eintritts der Steudes in die FDP, war, so Knapp, ein furchtbares Jahr für Deutschland, das vom Terrorismus geprägt war und seinen Kulminationspunkt in der Ermordung von Hans Martin Schleyer fand. Damals war Werner Maihofer Innenminister, ehe er 1978 von Gerhardt Baum abgelöst wurde. Rückblickend hatte die deutsche Gesellschaft wohl auf den Terrorismus etwas hysterisch reagiert, was damals liberale Politik sehr erschwert hat.

Von 1988 bis 2001 führte Frau Steude mit zweijähriger Unterbrechung wegen eines beruflich bedingten USA-Aufenthalts der Familie, den Ortsverband der FDP als Nachfolgerin von Manfred Kurz, der noch in diesem Jahr seine sechzigjährige Mitgliedschaft in der FDP feiern wird. Die Aufgaben der Ortsvorsitzende einer kleinen Partei seien nicht immer einfach, aber Frau Steude, so betonte Knapp, erledigte diese Aufgaben souverän und mit viel Charme.

Mitte der Neunziger Jahre übernahm Brigitte Steude das Mandat von Manfred Kurz im Gemeinderat und bildete mit Helmut Kurtz das zweiköpfige Flaggschiff der FDP im Rat. Herr Steude übernahm im Ortsverband die Öffentlichkeitsarbeit bis 2009 und war unter anderem für den Internetauftritt verantwortlich. Knapp betonte, dass die beiden Steudes nicht nur ein hervorragendes Beispiel für Einsatz und Ehrenamt in der Politik sind, sondern auch in der ihrer Kirche zum Beispiel bei der Renovierung der Festen Burg in Böblingen sehr engagiert sind.

Strack-Zimmermann, angereist aus Ihrer Heimatstadt Düsseldorf, in der sie über 6 Jahre Erste Bürgermeisterin war, erzählte in Ihrer Ansprache von einem Besuch bei einer 99-jährigen Dame, die 1945 zur FDP kam. Für diese Dame war es nach dem Desaster Nazideutschlands wichtig sich zu ihren politischen Überzeugungen öffentlich zu bekennen. „Wenn Menschen in Parteien eintreten, machen sie das“, so Strack-Zimmermann, „aus Interesse an bundespolitischen Themen und eher selten aus kommunalpolitischen Gründen“. Das geschieht meist aus einem speziellen Ereignis heraus und jeder hat sein eigenes Momentum, so auch die Steudes.

In komplexen Zeiten, wie wir sie heute haben, besinnen sich die Menschen auf ihr eigenes Stück Heimat. Daher muss Politik dort vor Ort dafür sorgen, dass die Kommune funktioniert. Wenn man das vor Ort nicht kann, wie könnte man es dann in der großen Politik? Daher sei sie immer noch eine begeisterte Kommunalpolitikerin und habe allen Respekt vor der Leistung der Mitglieder vor Ort.

In Düsseldorf habe sie 15 Jahre mit der CDU zusammen gearbeitet, erfolgreich aber auch kompliziert. Jetzt befinde man sich in Düsseldorf in einer Dreierbeziehung, die auch nicht einfach sei. „Man muss das Interesse der Partner erkennen und ihre Grenzen verstehen und respektieren“, das sei das Wichtigste. Nach der für die FDP erfolgreichen Wahlen in NRW und Schleswig-Holstein sei es wichtig nicht hochmütig zu werden. „Wir werden verantwortungsvoll damit umgehen“, sagte die Stellvertretende Bundesvorsitzende.

Nach dem grausigen Jahr 2016 mit Trump und Brexit seien eine Menge bürgerlicher Wähler motiviert und gingen wieder zur Wahl. „Sie bringen sich ein, sie sind wach geworden, speziell auch viele junge Leute“. Es gebe keine Rechtfertigung heute unpolitisch zu sein, nichts sei in Stein gemeißelt. Jetzt komme die Stunde der Freien Demokraten, ist sie überzeugt. Die Mitglieder und Wähler der FDP seien bestens gelaunt, seien optimistisch, aber nicht blind und schauten zuversichtlich nach vorne. „Die Aussichten sind gut, aber es kann noch vieles passieren“. Christian Lindner brauche das Team der FDP’ler, damit die FDP wieder in den Bundestag einziehen könne. Das schrieb sie allen Anwesenden ins Stammbuch.

In ihrer kurzen Replik erklären die Steudes wie und warum sie zur FDP gekommen sind. Im Studium eher unpolitisch sind sie genervt von den bevormundenden Aktionen des SDS an ihrer Uni. Umso mehr wird Frau Steude beeindruckt vom Standing von Ralf Darendorf an ihrer Uni in Konstanz. Die sozialliberale Koalition ab 1969 und das Konstruktive Misstrauensvotum gegen Willi Brandt prägen ihre Politisierung, ist ihr Momentum. Als junge Lehrerin bekennt sie sich zu ihrer liberalen Überzeugung. Schließlich treten die beiden 1977 in die FDP ein. In der großen Familie wird beschlossen, dass sie sich auch um den Ortsvorsitz bewirbt, nachdem man mit den vier Kindern aus dem Gröbsten raus ist.

von links nach rechts: Hans Dieter Scheerer, Heidi Calaminus, Marie-Agnes Strack-Zimmermann und die Eheleute Steude

Man organisiert Liberale Runden, pflegt die Kontakte, veranstaltet Parties, startet Bürgersprechstunden, schaltet Anzeigen in den Zeitungen und stellt sich für den Gemeinderat zur Wahl. Erfolgreich, auch wenn dann die Verantwortung in der kleinen FDP-Fraktion großen Einsatz von Brigitte Steude und ihrem Ehemann einfordert. Günter Steude sieht die FDP als Korrektiv der großen Parteien. Sie soll die Stabilität der Politik aufrecht halten und gegen die immer wieder aufscheinende Bevormundung Haltung beziehen.

 

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