Weggefährten aus Kreis- und Landespolitik überbringen ihre Glückwünsche an die frühere Landtagsabgeordnete aus Renningen

<Weil der Stadt> Die langjährige Landtagsabgeordnete und FDP-Kreisvorsitzende Heiderose Berroth wurde 70 – und die Liberalen feierten dies mit einem sommerlichen Empfang in Weil der Stadt. Über 70 Freunde und Weggefährte Berroths konnte der FDP Kreisvorsitzende Hans Dieter Scheerer im Weil der Städter Klösterle begrüßen. Als Hausherr sprach zunächst der Weil der Städter Bürgermeister Thilo Schreiber ein Grußwort und bemerkte: „Wenn ich Heiderose Berroth in einem Wort beschreiben müsste: Sie ist eine richtige Powerfrau.“ Er bedankte sich für ihr Engagement als Vorsitzende des Trägervereins der Landesakademie für Jugendbildung. Der Bürgermeister von Berroths Heimatstadt Renningen, Wolfgang Faißt, hatte ihre Arbeit bereits zuvor auf einer Geburtstagsfeier auf Einladung der Landtagsfraktion in Stuttgart gewürdigt.

Die Jubilarin umringt von Hans Dieter Scheerer (links) und Jochen Haußmann MdL (rechts)

Von April 1996 bis März 2011 gehörte Berroth dem Landtag von Baden-Württemberg an und war zuletzt Sprecherin der FDP-Fraktion für Finanz- und Haushaltspolitik, Sport und Kultur. Ihr früherer Kollege Jochen Haußmann MdL, heute stellvertretender Vorsitzender der FDP/DVP-Fraktion, betonte: „Heiderose Berroth hat bleibende Spuren im Landtag hinterlassen.“ So habe sie nicht nur an bedeutenden Gesetzen wie dem Privatschulgesetz maßgeblich mitgewirkt, sondern auch mittlerweile bundesweit gebräuchliche Begriffe wie „Schuldenstopp“ geprägt. Ferner habe sie sich dafür eingesetzt, dass der FDP-Fraktionssaal in Elly-Heuss-Knapp Saal umbenannt wurde. Für Haußmann stehe der Name Berroth für: „Begeisternde Ehrenamtlerin Rockt Renningen Ohne Träumereien Herauszuversprechen.“

Berroth ist nicht nur Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzende der überparteilichen Wählerinneninitiative „Frauen für Renningen“, sondern auch eine ihrer aktuellen Gemeinderätinnen. Zudem ist sie seit 1999 Mitglied des Böblinger Kreistags und seit 2009 Vorsitzende der dortigen FDP-Fraktion. So gratulierte auch Landrat Roland Bernhard zum Geburtstag: „Ich bedanke mich bei Heiderose Berroth für die tolle Arbeit, die sie im Landkreis leistet. Sie ist ein Vorbild der Frauenförderung.“

Die Laudatio auf Berroth hielt der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Florian Toncar aus Weil im Schönbuch: „Man fühlt sich an das Märchen vom Hasen und dem Igel erinnert. Egal wo man im Landkreis hingeht, Heide war schon da.“ Während ihrer Zeit im Landtag sei sie durchweg in Regierungsverantwortung gewesen. 2004 habe sie bei der damaligen Neuaufstellung der FDP im Land eine wichtige Rolle gespielt, als sie die Rolle der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden übernahm. Ihre Einsatzkraft im Wahlkampf sei legendär: beispielsweise habe sie, so Toncar heiter, im Endspurt vor der Landtagswahl 2006 noch einen Brief an rund tausend Wählerinnen und Wählern verfasst, ausgedruckt und eingetütet. Leider sei dieser aber wegen einer verzögerten Zustellung erst einen Tag nach der Wahl angekommen, was jedoch glücklicherweise den Wahlerfolg nicht verhindert habe. „Die FDP hat dir viel zu verdanken, ich selbst habe viel von dir gelernt“, so Toncar zu Berroth.

Glückwünsche von Bundestagskandidat Dr. Florian Toncar

Die Festrede hielt der stellvertretende FDP Kreisvorsitzende Andreas Knapp, Stadt- und Kreisrat aus Sindelfingen. Das Thema der Rede war: „Unsere deutsche Sprache – ein Fundament der Freiheit.“ Dies war ein Wunschthema Berroths, da die Kulturpolitik für sie ein Herzensthema ist und sie schon in ihrer Zeit als liberale Bildungspolitikerin im Landtag (1996-2001) klar darauf hingewiesen hatte, dass es ihr wichtig sei, dass unsere Grundschüler wieder ‚Lesen, Schreiben und Rechnen‘ lernen. Knapp wies vor allem darauf hin, dass die gemeinsame Sprache eine wichtige Basis für gesellschaftlichen Diskurs um die richtigen politischen Wege sei. Aus diesem Grunde ist die fehlende gemeinsame Sprache auch ein Hindernis bei der europäischen Einigung, das es zu überwinden galt und weiterhin zu überwinden gilt.

In Ihrem Schlusswort dankte Berroth allen Gästen für‘s Mitfeiern, den Rednern für ihre ehrenden Worte und den Organisatoren sowie dem Harmonikaspielring Malmsheim für die Gestaltung des Abends. Ihr besonderer Dank ging an alle, die sie während der letzten Jahrzehnte in ihren Aufgaben in Politik und Familie unterstützt haben, denn „so etwas ist nie alleine zu schaffen“. Inzwischen reduziere sie ihre öffentlichen Aufgaben Stück für Stück, mache gerne und regelmäßig ‚Dienst‘ bei den Enkeln und freue sich darüber, morgens öfter mal ausschlafen zu können. Der FDP im Kreis Böblingen wird sie aber weiterhin erhalten bleiben.

Renninger Andreas Weik zum Ehrenmitglied ernannt

Ludwigsburg – Die Jungen Liberalen Bezirksverband Nordwürttemberg luden anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums zum Empfang nach Ludwigsburg ein. Bei strahlendem Sonnenschein konnte der Bezirksvorsitzende Robert Meldt aus Renningen knapp 35 geladene Gäste auf der Hofterrasse der Fräulein Cluss Lounge begrüßen.

Grußworte verbunden mit Glückwünschen überbrachten Timm Kern, Stv. Vorsitzender der FDP/DVP-Fraktion im Landtag, FDP-Generalsekretärin Judith Skudelny und Hartfrid Wollf, Vorsitzender des FDP-Bezirkes Region Stuttgart. „Bleibt weiterhin der Stachel in der FDP“ wünschte sich Skudelny in ihrer Ansprache.

Einen Blick zurück in die Geschichte des Bezirkes warf Meldt mit Carina Schmidt, der letzten Vorsitzenden des Alt-JuLi-Bezirkes Franken und Andreas Weik, dem langjährigen Bezirksvorsitzenden der Jungen Liberalen Nordwürttemberg.

Die Ehrengäste feiern 10 Jahre Junge Liberale Bezirk Nordwürttemberg

Letzterer wurde am Ende der Veranstaltung zum vierten Ehrenmitglied des Bezirkes ernannt. „Du hast den Bezirk bedeutend geprägt, neue Veranstaltungsformate eingeführt, eine umfangreiche und wichtige Satzungsreform vorangetrieben. Deine Handschrift ist auch heute noch überall wiederzufinden“ so Meldt in seiner Laudatio an seinen Vor-Vor-Vorgänger Andreas Weik, der mittlerweile in Renningen wohnt. Weik war von 2011 bis 2014 Vorsitzender des größten JuLi Bezirkverbandes in Baden-Württemberg und führte diesen in schwierigen Zeiten aus der Inaktivität und leitete wichtige Reformen ein. „Vielen herzlichen Dank für die hohe Auszeichnung. Es ist mir eine große Ehre verbunden mit unendlicher Dankbarkeit, dass ich mich nun zu einem so hochkarätigen, erlauchten Kreis zählen darf.“ Damit bezog sich Weik auf die anderen drei Ehrenmitglieder den FDP-Landesvorsitzenden Michael Theurer MdEP, Michael Link – Staatsminister des Auswärtigen Amtes a.D. und Dr. Florian Toncar.  Alle Drei wurden noch unter Weiks Amtszeit im Jahre 2014 zu Ehrenmitglieder ernannt. Andreas Weik kämpft mittlerweile in der Mutterpartei, den Freien Demokraten, für die liberale Sache. So ist er Ortsvorsitzender in Herrenberg, Stellvertretender Kreisvorsitzender in Böblingen, Beisitzer im FDP Landesvorstand und Wahlkampfleiter von Florian Toncar.

Robert Meldt übergibt Andreas Weik die Ehrenmitgliedsschafts-urkunde

Am 9. Dezember 2006 vollzog die Bezirksmitgliederversammlung in Heilbronn die Fusion der bisherigen Bezirke Region Stuttgart und Franken. Auch ein Teil des Ostwürttembergischen Bezirkes floss in den neuen Großbezirk mit ein. Er umfasst die Juli-Kreisverbände Main-Tauber, Heilbronn, Hohenlohe, Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg, Heidenheim, Ostalb, Rems-Murr, Schwäbisch Hall und Stuttgart.

 

FDP Bundestagskandidat Dr. Florian Toncar setzt auf einen Mix aus erfahrenen Wahlkämpfern und jungen Köpfen

Leiter des Wahlkampfteams der Freien Demokraten im Kreis Böblingen ist der Vorsitzende des FDP Stadtverbandes Herrenberg und Gäu Andreas Weik

<Leonberg> Der FDP Bundestagskandidat Dr. Florian Toncar aus Weil im Schönbuch wählte sowohl erfahrene Wahlkämpfer als auch junge Köpfe für sein Team. Seinen Wahlkampf leitet Andreas Weik, der zugleich Vorsitzender des FDP Stadtverbandes Herrenberg und Gäu ist. Als Mitglied im Landesvorstand der FDP Baden-Württemberg stellt er zudem den Austausch mit der Parteiführung sicher. Die Weil der Städter Gemeinderätin Brigitte Benzinger-König unterstützt ihn in der Wahlkampfleitung. Beide haben bereits 2013 den damaligen Bundestagswahlkampf von Toncar geleitet.

Florian Toncar und sein Wahlkampfteam

Verantwortlich für den Wahlkampf im Social Media Bereich ist der Böblinger Sebastian Heinel, der für diesen Bereich auch als Beisitzer im Kreisvorstand zuständig ist. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernehmen die stellv. Vorsitzende des FDP Stadtverbandes Leonberg Radegunde Schenk-Kern sowie der Aidlinger Gemeinderat Daniel Alexander Schmidt, der auch im FDP Kreisvorstand als Pressesprecher diesen Aufgabenbereich verantwortet. Für die Termin- und Veranstaltungskoordination ist der Bezirksvorsitzende der Jungen Liberalen Nordwürttemberg Robert Meldt aus Renningen-Malmsheim zuständig. Als Kreisvorsitzender der FDP sorgt zudem Hans Dieter Scheerer aus Weil der Stadt dafür, dass die geplanten Aktionen in Zusammenarbeit mit allen Stadt- und Ortsverbänden durchgeführt werden, er betont: „Das Ziel von allen Mitgliedern des FDP Kreisverbandes ist klar: Wir setzen uns für ein starkes Ergebnis der Freien Demokraten bei der Bundestagswahl am 24. September ein, sodass der Kreis Böblingen wieder durch Florian Toncar im 19. Deutschen Bundestag vertreten sein wird. Mit dem Listenplatz 5 hat er dabei beste Chancen wieder ein Mandat zu erhalten.“

Toncar ist Kandidat der FDP im Wahlkreis 260 (Böblingen). Der 37-jährige Jurist ist als Rechtsanwalt in einer international tätigen Kanzlei beschäftigt und vertrat den Kreis Böblingen bereits zwischen 2005 und 2013 im Deutschen Bundestag. Als verheirateter Vater zweier Töchter steht er voll hinter dem Parteiprogramm der FDP zur Bundestagswahl: „Wir wollen in Deutschland die weltbeste Bildung für jeden erreichen, das wird der Schwerpunkt für uns sein nach der Bundestagswahl. Damit unsere Kinder und die nächsten Generationen alle die besten Voraussetzungen haben, müssen wir die Bildungsausgaben auf Top 5-Niveau der OECD-Staaten erhöhen. Aber auch die finanzielle Entlastung der Bürgerinnen und Bürger sowie die Digitalisierung werden höchste Priorität haben.“

Freie Demokraten würdigen das politische und gesellschaftliche Engagement der ehemaligen Stadträtin Brigitte Steude und ihres Ehemanns, Günter Steude

<Böblingen> Zu einem besonderen Anlass hatten die Freien Demokraten in den Brumme Saal des Böblinger Rathauses eingeladen. Für das Ehepaar Steude jährt sich ihr Eintritt in die FDP 2017 zum vierzigsten Mal. Dafür erhielten die beiden aus den Händen der Stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann und des FDP-Kreisvorsitzenden Hans Dieter Scheerer die Theodor-Heuss-Medaille in Silber. Strack-Zimmermann überbrachte die Glückwünsche des Bundesvorsitzenden Christian Lindner und des Landesvorsitzenden der FDP Baden-Württemberg, Michael Theurer.

Die Laudatio für das Ehepaar Steude hielt der Stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende und Sindelfinger Stadtrat Andreas Knapp. In seiner Rede erinnerte Knapp an die Tatsache, dass sie sich mit diesem Jubiläum einem sehr kleinen Kreis von nur ca 3% der Mitglieder zugesellen. Der Sindelfinger Stadtrat konnte nicht umhin zu unterstreichen, dass die Beiden damals in den Sindelfinger Ortsverband eintraten ehe sie ein Jahr später nach Böblingen umgezogen sind.

1977, das Jahr des Eintritts der Steudes in die FDP, war, so Knapp, ein furchtbares Jahr für Deutschland, das vom Terrorismus geprägt war und seinen Kulminationspunkt in der Ermordung von Hans Martin Schleyer fand. Damals war Werner Maihofer Innenminister, ehe er 1978 von Gerhardt Baum abgelöst wurde. Rückblickend hatte die deutsche Gesellschaft wohl auf den Terrorismus etwas hysterisch reagiert, was damals liberale Politik sehr erschwert hat.

Von 1988 bis 2001 führte Frau Steude mit zweijähriger Unterbrechung wegen eines beruflich bedingten USA-Aufenthalts der Familie, den Ortsverband der FDP als Nachfolgerin von Manfred Kurz, der noch in diesem Jahr seine sechzigjährige Mitgliedschaft in der FDP feiern wird. Die Aufgaben der Ortsvorsitzende einer kleinen Partei seien nicht immer einfach, aber Frau Steude, so betonte Knapp, erledigte diese Aufgaben souverän und mit viel Charme.

Mitte der Neunziger Jahre übernahm Brigitte Steude das Mandat von Manfred Kurz im Gemeinderat und bildete mit Helmut Kurtz das zweiköpfige Flaggschiff der FDP im Rat. Herr Steude übernahm im Ortsverband die Öffentlichkeitsarbeit bis 2009 und war unter anderem für den Internetauftritt verantwortlich. Knapp betonte, dass die beiden Steudes nicht nur ein hervorragendes Beispiel für Einsatz und Ehrenamt in der Politik sind, sondern auch in der ihrer Kirche zum Beispiel bei der Renovierung der Festen Burg in Böblingen sehr engagiert sind.

Strack-Zimmermann, angereist aus Ihrer Heimatstadt Düsseldorf, in der sie über 6 Jahre Erste Bürgermeisterin war, erzählte in Ihrer Ansprache von einem Besuch bei einer 99-jährigen Dame, die 1945 zur FDP kam. Für diese Dame war es nach dem Desaster Nazideutschlands wichtig sich zu ihren politischen Überzeugungen öffentlich zu bekennen. „Wenn Menschen in Parteien eintreten, machen sie das“, so Strack-Zimmermann, „aus Interesse an bundespolitischen Themen und eher selten aus kommunalpolitischen Gründen“. Das geschieht meist aus einem speziellen Ereignis heraus und jeder hat sein eigenes Momentum, so auch die Steudes.

In komplexen Zeiten, wie wir sie heute haben, besinnen sich die Menschen auf ihr eigenes Stück Heimat. Daher muss Politik dort vor Ort dafür sorgen, dass die Kommune funktioniert. Wenn man das vor Ort nicht kann, wie könnte man es dann in der großen Politik? Daher sei sie immer noch eine begeisterte Kommunalpolitikerin und habe allen Respekt vor der Leistung der Mitglieder vor Ort.

In Düsseldorf habe sie 15 Jahre mit der CDU zusammen gearbeitet, erfolgreich aber auch kompliziert. Jetzt befinde man sich in Düsseldorf in einer Dreierbeziehung, die auch nicht einfach sei. „Man muss das Interesse der Partner erkennen und ihre Grenzen verstehen und respektieren“, das sei das Wichtigste. Nach der für die FDP erfolgreichen Wahlen in NRW und Schleswig-Holstein sei es wichtig nicht hochmütig zu werden. „Wir werden verantwortungsvoll damit umgehen“, sagte die Stellvertretende Bundesvorsitzende.

Nach dem grausigen Jahr 2016 mit Trump und Brexit seien eine Menge bürgerlicher Wähler motiviert und gingen wieder zur Wahl. „Sie bringen sich ein, sie sind wach geworden, speziell auch viele junge Leute“. Es gebe keine Rechtfertigung heute unpolitisch zu sein, nichts sei in Stein gemeißelt. Jetzt komme die Stunde der Freien Demokraten, ist sie überzeugt. Die Mitglieder und Wähler der FDP seien bestens gelaunt, seien optimistisch, aber nicht blind und schauten zuversichtlich nach vorne. „Die Aussichten sind gut, aber es kann noch vieles passieren“. Christian Lindner brauche das Team der FDP’ler, damit die FDP wieder in den Bundestag einziehen könne. Das schrieb sie allen Anwesenden ins Stammbuch.

In ihrer kurzen Replik erklären die Steudes wie und warum sie zur FDP gekommen sind. Im Studium eher unpolitisch sind sie genervt von den bevormundenden Aktionen des SDS an ihrer Uni. Umso mehr wird Frau Steude beeindruckt vom Standing von Ralf Darendorf an ihrer Uni in Konstanz. Die sozialliberale Koalition ab 1969 und das Konstruktive Misstrauensvotum gegen Willi Brandt prägen ihre Politisierung, ist ihr Momentum. Als junge Lehrerin bekennt sie sich zu ihrer liberalen Überzeugung. Schließlich treten die beiden 1977 in die FDP ein. In der großen Familie wird beschlossen, dass sie sich auch um den Ortsvorsitz bewirbt, nachdem man mit den vier Kindern aus dem Gröbsten raus ist.

von links nach rechts: Hans Dieter Scheerer, Heidi Calaminus, Marie-Agnes Strack-Zimmermann und die Eheleute Steude

Man organisiert Liberale Runden, pflegt die Kontakte, veranstaltet Parties, startet Bürgersprechstunden, schaltet Anzeigen in den Zeitungen und stellt sich für den Gemeinderat zur Wahl. Erfolgreich, auch wenn dann die Verantwortung in der kleinen FDP-Fraktion großen Einsatz von Brigitte Steude und ihrem Ehemann einfordert. Günter Steude sieht die FDP als Korrektiv der großen Parteien. Sie soll die Stabilität der Politik aufrecht halten und gegen die immer wieder aufscheinende Bevormundung Haltung beziehen.

 

Benjamin Strasser, Rechtsanwalt und FDP-Bundestagskandidat im Wahlkreis Ravensburg, besuchte das Quartal Liberal in Herrenberg. Strasser war für den ersten NSU-Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtages als parlamentarischer Berater der FDP/DVP-Landtagsfraktion tätig. In seinem Vortrag „Terror von rechts – eine unterschätzte Gefahr?“ informierte er die Teilnehmer über Hintergründe, Ursachen und Abläufe der terroristischen Aktivitäten und Straftaten des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) und leitete aus den bisher vorhandenen Erkenntnissen politische Konsequenzen ab.

Bei gut besetztem Haus ging Strasser zunächst auf die Personen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ein, denn diese prägten in der letzten Dekade die extrem terroristischen Taten des NSU. So konnte er darstellen, wie sich das Trio innerhalb der rechtsextremen Szene zunehmend radikalisiert und zu Rechtsterroristen entwickelt hat. Ihnen können inzwischen neun Morde an Migranten und eine weitaus größere Zahl von Verletzten in der Folge von terroristischen Anschlägen zugeschrieben werden. Auf ihr Konto gingen z. B. auch die Polizisten-Morde an Michèle Kiesewetter und Martin A. am 25. April 2007 in Heilbronn. Im Weiteren konnte Strasser Einblicke in die Lebensführung und die vermutliche Finanzierung des Trios, z. B. durch Banküberfälle und den Verkauf eines selbst produzierten Brettspiels, geben.

Sowohl im baden-württembergischen Untersuchungsausschuss als auch im Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages konnten Nachlässigkeiten und Ermittlungspannen der beteiligten Polizeibehörden, Landeskriminalämter und Landesämter für Verfassungsschutz aufgedeckt werden. Beispielhaft ging Strasser hierbei auf die Ermittlungen des Heilbronner Polizistenmordes, des Falls Florian H. sowie des Schwäbisch Haller Ku-Klux-Klans ein..

„Ja, der rechte Terror ist eine unterschätzte Gefahr“, bilanzierte Strasser. „Die Verfassungsschutzbehörden hatten aufgrund des 11. Septembers 2001 und dem neuen Phänomenbereich des islamistischen Terrorismus das NSU-Trio trotz Fahndung aus den Augen verloren. Zugleich waren die Verfassungsschutzbehörden in Ostdeutschland in den 90er-Jahren nicht optimal aufgestellt. Das darf nicht noch einmal passieren.“ Dass rechtsextreme Gewalt weiterhin aktuell ist, zeige zudem die gerade veröffentlichte Kriminalstatistik: Die Anzahl politisch motivierter Gewalttaten von rechts hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt. „Nationalistische Ideologien dürfen nicht verharmlost werden“, so Strasser.

In der lebhaften Diskussion nach seinem Vortrag beantwortete Benjamin Strasser noch  Fragen aus dem Publikum. Hans Dieter Scheerer, Vorsitzender des FDP Kreisverbandes Böblingen, dankte Benjamin Strasser am Ende der Veranstaltung im Namen der Teilnehmer für den hochinteressanten Vortrag und wünschte ihm viel Erfolg als Kandidat für den Bundestag.